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07.10 Verbesserung der Welt
Die “Verbesserung der Welt” wird in den letzten Jahren als Argument für die Steuerung und das Management von Veränderung zunehmend angeführt. Und das nach meiner Wahrnehmung ganz besonders in Wirtschaftsunternehmen, “gutes bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen”, “Beitrag zur Nachhaltigkeit”, “ethische Unternehmensführung”. Vor allem angelsächsische Managementdenker und Manager verkünden den Zusammenhang von Wertschöpfung und Weltverbesserung. Google, Apple, Microsoft, Pharmaunternehmen, Gesundheitsdienstleister, Fluglinien, auch General Electric und British Petroleum wollen einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten.
Sind heute Unternehmen und Führungsverantwortliche einem hoffnungslosen Idealismus verfallen, der ohne Rücksicht auf die Realität eine ideale Welt bauen will? Kommunisten, Anarchisten, Liberalisten, sind die Heilslehren und Ideologien der letzten beiden Jahrhunderte wieder in Mode gekommen? Müssen wir befürchten, dass die Weltverbesserer wieder anfangen sich gegenseitig zu bekämpfen und gar neue Weltkriege anzetteln? Vielleicht ist aber auch Skepsis angebracht, wenn die “Verbesserung der Welt” sich zum reinen Marketingargument verwandelt hat. Der Wolf als kapitalistisches Unternehmen bleibt ein Wolf, auch im Schafspelz oder nach dem Verzehr von Kreide.
“Verbesserung der Welt” hat Konjunktur. Die Anfrage an Produkte und Dienstleistungen wird als legitim wahrgenommen: Was ist Dein Beitrag zur Verbesserung der Welt? - Im pragmatischen Verständnis ist auch ein kleiner Beitrag ein Beitrag. - Das idealistische Argument springt ein in eine Lücke, der Wiedereinführung der Sinnfrage in Unternehmen. Sinn ist pragmatisch gerahmt, wenn ideeller Wertbeitrag und reale Wertschöpfung im Zusammenhang diskutiert werden. Und wenn wir den ideelen Beitrag einer bestimmten Limonade nicht gleich verstehen, so ist doch die Frage erlaubt.